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Pferdefütterung Tipps für Einsteiger

Pferde reagieren auf falsche Fütterung extrem empfindlich. Fütterungsfehler können von leichten Störungen der Verdauung oder Problemen mit dem Fell etc., auch schwere bis lebensgefährliche Krankheiten nach sich ziehen. Daher ist Basiswissen bei der Pferfütterung Pflicht.

Basiswissen Pferdepflege

In freier Wildbahn verbringt ein Pferd ca. 16 Stunden am Tag ausschließlich damit zu fressen. Es sucht sich dann instinktiv alles, was es braucht, um gesund zu bleiben, diesen Job müssen Sie als Pferdehalter übernehmen.

Wichtig bei der Pferdefütterung ist, dass ein Pferd mit seinen Darmbakterien in Symbiose lebt und nur ein sehr kleiner Teil der Verdauung enzymatisch im Dünndarm stattfindet, der größte Teil aber mit Hilfe der Darmbakterien im Dickdarmbereich.

Im Beitrag finden Sie Tipps zur Fütterung auf der Weide, mit Kraftfutter sowie grundsätzliche Ratschläge. Denn als Halter müssen Sie Ihr Pferd vor einigen Einflüssen schützen und teilweise sogar Funktionen der Natur nachahmen, damit das Pferd gesund bleibt.

Basic-Tipps im Video

Fütterung auf der Weide

Pferde, die gesund sind und nicht unter stoffwechselbedingten Problemen leiden, können im Sommer 24 Stunden lang auf einer Weide gehalten werden, die möglichst artenreich sein sollte und neben vielen verschiedenen Gräsern auch Kräuter beinhalten sollte.

  • Auf einer Weide frisst sich das Pferd satt. Es muss nur darauf geachtet werden, dass kein Überangebot an bestimmten Pflanzen besteht oder giftige Pflanzen auf der Weide wachsen.
  • In Wintermonaten ersetzt Heu den Weidengang.

Einseitges Pflanzenangebot auf der Weide

Kontrollieren Sie die Wiese und achten Sie auf ein unausgewogenes Verhältnis an einer Pflanzenart. Meist ist das unbedenklich, jedoch gibt es auch Arten, die gemieden werden sollten.

  • Zu viel Klee ist dabei für Pferde ungesund, eine gewisse Menge an Klee bei gesunden Pferden aber tolerierbar. Das ist bei einigen stoffwechselbedingten Krankheiten, aufgrund dessen manche Pferde nur gekürzten Weidegang erhalten dürfen, anders.
  • Auch Weidelgräser sind seit Entwicklung der Fruktan-Theorie in Verruf geraten und sollten ebenfalls auf Pferdeweiden reduziert werden. Ehemalige Rinderweiden enthalten aufgrund der hohen Trittfestigkeit von Weidelgräsern häufig einen hohen Anteil davon und eignen sich deshalb nicht gut als Pferdeweide. Es gibt für die Neuaussaat von Pferdeweiden heute schon gute Saatmischungen, die alle diese Aspekte mit berücksichtigen.

Giftpflanzen: 3 Tipps

Über giftigen Pflanzen sollte jeder Pferdehalter ein Grundwissen parat haben. Dazu 3 Tipps:

  1. Kontrolle: Wenn Sie eine Pferdeweide pachten, sollten Sie sich vorher genau darüber informieren, welche Pflanzen für Pferde besonders giftig sind. Derartige Pflanzen sollten weder auf der Weide noch im anliegenden Knick oder eventuell auf der Weide befindlichen Walstücken vorhanden sein.
  2. Recherche: Am besten besorgen Sie sich ein gutes Buch über für Pferde giftige Pflanzen oder informieren Sie sich online. Eine Übersicht mit Bildern, die Giftigkeit etc. finden Sie auch auf giftpflanzen-fuer-pferde.de.
  3. Aussehen einprägen: Prägen Sie sich das Aussehen der giftigen Pflanzen ein. Um nur einige besonders gefährliche Arten zu nennen, seien hier unter den Bäumen die Robinie, unter den Sträuchern die Eibe und unter den auf der Weide selbst möglichen Arten der Fingerhut, das Jakobskreuzkraut, der Sumpfschachtelhalm oder der Adlerfarn zu nennen. Auch Buchen und Eichen können in großen Mengen dann gefährlich werden, wenn sie die Eicheln oder Bucheckern abwerfen.

Gutes Heu für die Wintermonate

Generell ist für die meisten Pferde gutes Heu die beste Art der Raufuttergrundlage. Heu kann ad libidum gegeben werden, das heißt den ganzen Tag über in ausreichender Menge den Tieren zur Verfügung stehen.

  • Auch im Heu können sich Giftpflanzen befinden. Es sollte bei Problemen, am besten aber bereits beim Kauf gründlich kontrolliert werden.
  • Besonders wichtig ist es, dass Heu nicht schimmelig sein darf. Auch Schimmelnester sind für Pferde lebensgefährlich. Finden Sie so etwas, ist das gesamte Gebinde zu entsorgen.Das gilt auch für große Rundballen Heu.
  • Staubempfindliche Pferde vertragen zuweilen Heulage besser als Heu. In diesem Fall ist Heulage vorzuziehen und muss dann aber je nach Bedarf dem Tier mengenmäßig zugeteilt werden, darf also nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Das gilt aber nur für Stauballergiker, denn sonst ist für Pferde Heu die bessere Wahl.

Als Einstreu darf auch Stroh verwendet werden. Pferde fressen meistens einen Teil ihrer Stroh-Einstreu und dürfen das auch. Als Futter allerdings eignet sich Stroh in zu großen Mengen nicht, denn es kann bei zu viel zu Anschoppungskoliken kommen.

Fütterung von Kraftfutter

Der Bedarf an Kraftfutter ist bei Pferden individuell sehr unterschiedlich. Das gilt auch für die Zusammensetzung des idealen Kraftfutters.

Pferdefütterung

Quelle: Dezidor/ Wikipedia.org

Pferde, die im Sport oder auf andere Weise viel arbeiten müssen, brauchen erheblich mehr Kraftfutter als reine Freizeitpferde, leichtfutterige Ponys, Pferde mit bestimmten Krankheiten oder alte Tiere, die ihr Gnadenbrot genießen. Die Menge der sogenannten Vitalstoffe, also der Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, bleibt aber gleich.

Futtermenge Kraftfutter

  • Als Faustregel bei der Futtermenge an Kraftfutter kann man sich merken, dass selbst große Pferde nicht mehr als 3 kg Kraftfutter pro Tag erhalten sollten.
  • Braucht ein Pferd wegen hoher Leistung oder weil es gerade trächtig ist und ein Fohlen säugt mehr Kraftfutter, sollte diese Menge auf jeden Fall in mehreren Portionen gegeben werden.

Folgen bei zu viel Kraftfutter

  • Wird zu selten, zu viel Kraftfutter auf einmal, zu wenig Raufutter oder falsch gefüttert, schadet das vor allen Dingen der Zusammensetzung dieser Darmbakterien und kann verheerende Folgen für das Pferd haben.
  • Landen zu viele Reste des Kraftfutters im Dickdarmbereich, verändern sie den ph-Wert und können auf diese Weise viele Darmbakterien abtöten, was mit Pech viele Krankheiten, aber auch eine tödlich verlaufende Kolik zur Folge haben kann.

Zeitpunkt & Art der Fütterung

  • Kraftfutter sollte, wenn ein Pferd arbeiten muss, nach der Arbeit, also auch nach dem Reiten gegeben werden. Die meisten Menschen füttern ihre Pferde per Hand.
  • Sie sollten, um ein Gefühl für die richtige Menge zu entwickeln, alle Futtermittel, die abgemessen gefüttert werden müssen wie Kraftfutter oder auch Heulage, anfänglich genau wiegen. Später werden Sie ein Gefühl für die richtige Menge entwickeln.

Wasser & Salz

Wichtig ist es auch, immer darauf zu achten, dass Pferden den ganzen Tag über genug sauberes, frisches Wasser zur Verfügung steht, denn Pferde trinken sehr viel. Das können pro Tag bis zu 60 liter sein.

Des weiteren brauchen Pferde genug Salz und sollten immer die Möglichkeit haben, an einen Salzleckstein mit Natrium-Chlorid oder Himalayasalz zu gelangen. Minerallecksteine sind nicht empfehlenswert, denn Mineralstoffe sollten Pferden besser nach Bedarf zugeführt werden.

Pferde auf der Futterweide

Quelle: Alex Proimos/ Wikipedia.org

Ausnahmen bei der Fütterung

  • Im Fellwechsel brauchen viele Pferde ein paar Vitamine und Mineralstoffe mehr als sonst. Wie viel, kann individuell verschieden sein. Sie werden das im Laufe der Zeit herausfinden, was Ihr Pferd in dieser Zeit eventuell zusätzlich braucht. Vorher hilft eine Futterberatung durch einen Fachmann.
  • Auch bei vielen Pferdekrankheiten ist eine Futterumstellung gegenüber gesunden Pferden wichtig. Das gilt zum Beispiel bei Krankheiten wie der Hufrehe, dem Sommerekzem, Magengeschwüren, der Neigung zu Kotwasser oder zu Koliken, bei Zahnproblemen im Alter oder Arthrose.
  • Auch in der Pferdezucht gibt es Besonderheiten. Stuten, die trächtig sind oder Fohlen säugen, haben einen höheren Bedarf an Energie und vielen anderen Stoffen und benötigen dann darauf abgestimmtes Kraftfutter.
  • Abgesetzte Fohlen, die nicht sehr lange bei der Stute bleiben und gesäugt werden können, sollten ein Zusatzfutter bekommen, das Milchpulver enthält. Auch Zuchthengste haben andere Ansprüche. Es gibt hier entsprechende Zusatzfuttermittel im Handel.

Was tun bei zu Futterneid?
Auf der Weide ist Futterneid meistens kein Problem. Anders kann das im Winter im Auslauf oder bei Offenstallhaltung sein. Es ist wichtig, genau zu beobachten, ob auch alle Pferde genug Heu fressen können, denn manchmal jagen nicht gut sozialisierte Tiere die rangniederen immer wieder weg.

In diesem Fall werden sich zumindest Phasen getrennter Fütterung oder eine andere Zusammenstellung der Gruppen nicht vermeiden lassen, um rangniederen Tieren nicht zu schaden.

Fazit: Basiswissen zur Fütterung

Ein Basiswissen über giftige Pflanzen ist man als Pferdehalter dem Tier gegenüber schuldig. Darüber hinaus kann es sich jedoch auch lohnen Wechselwirkungen zu verstehen und sich tiefere Kenntnisse zur anzueignen. Das fördert die Gesundheit des Tieres und Signale können richtig gedeutet werden, bevor eine Krankheit oder ähnliches auftritt.

Eine gut angelegte Pferdeweide im Sommer oder gutes Heu im Winter, das Pferden rund um die Uhr zur Verfügung steht, ist ein guter Anfang, es sei denn, das Pferd gehört zu den krankheitsbedingten Ausnahmen. Beim Kraftfutter gibt es beim Bedarf von Pferd zu Pferd große Unterschiede und die Menge und Zusammensetzung des Kraftfutters sind deshalb für jedes einzelne Pferd individuell vom Besitzer zu ermitteln.

Beachten Sie zudem aufmerksam, wie viel Futter angeboten wird, was vom Pferd gefressen wird und wie es darauf reagiert. Am besten dokumentieren Sie Mengen und Auffälligkeiten.

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