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Kolik bei Pferden: Wichtiges auf einen Blick

Als „Kolik“ werden sämtliche Fehlfunktionen des Magen-Darm Traktes eines Pferdes bezeichnet. Dahiner können sich vielfältige Krankheitsbilder verbergen, die Kolik stellt dabei lediglich die Anzeichen dar.

In Kürze:

  • Koliken haben viele Ursachen, gemeinsam haben sie, dass sie alle den Magen Darm Trakt betreffen.
  • Koliken können harmlos enden oder aber sogar tödliche Folgen haben, schnelles Handeln ist unbedingt erforderlich.
  • Sollten Sie die Anzeichen nicht sicher deuten können und nicht wissen was Sie tun sollten, kontaktieren Sie bitte einen Tierarzt.
  • Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass dieser Beitrag lediglich Informationen vermitteln soll und keine Beratung durch einen Tierarzt ersetzen kann.

Im folgenden Beitrag versuchen wir Hintergrundinformationen über Koliken zu bieten, stellen häufige Auslöser vor, Folgen und welche Futteranpassungen vorgenommen werden sollten.

Haufigkeit von Koliken

Die Kolik ist bei Pferden, eine der häufigsten und gefährlichsten Pferdekrankheiten. Jedes Jahr bekommt ca. 1 von 10 Pferden eine Kolik. Eine wirkliche Kolikneigung besteht dabei bei den meisten dieser Pferde nicht.

Rund 1 von 10 Pferden bekommt eine Kolik

Lediglich besonders alte Pferde oder solche, denen nicht genug Möglichkeit gegeben wird, sich ausreichend zu bewegen, brauchen langfristig eine besondere Form der Fütterung. Kurzfristig kann das je nach Form der Kolik vorübergehend im unmittelbaren Heilungsprozess bei der Kolik-Behandlung der Fall sein.

Symptome einer Kolik

Wenn Ihr Pferd eine Kolik hat, wird es von mehr oder weniger starken bis unerträglichen Schmerzen geplagt. Je nach Art der Kolik kann sich das sehr unterschiedlich auswirken.

Typische Anzeichen sind zum Beispiel:

  • Das Pferd ist unruhig, scharrt häufig und legt sich häufig hin und wälzt sich, um eine Körperhaltung zu finden, in der die Schmerzen besser zu ertragen sind.
  • Auch stoßweiser Atem, aufgerissene Augen, Schweißausbrüche und ein trockenes Maul können Anzeichen sein.
  • Kreislaufversagen, Schweiß auf dem kalten Fell können ebenfalls auf eine Kolik hindeuten
  • Die Bauchmuskulatur ist verkrampft und die Futter- und Wasseraufnahme wird verweigert

Auslöser für Koliken

Immer wieder hört man die Behauptung, das Verdauungssystem von Pferden sei besonders anfällig für Koliken. Diese Behauptung ist aber falsch.

Das viele Pferde eine Kolik bekommen, liegt fast immer an Fehlern bei der Fütterung

Nur sehr selten können Stress, Überanstrengung, Parasiten, Aufregung oder Infektionen der Grund für das Auftreten einer Kolik sein, noch seltener Witterungseinflüsse.

Inhaltsstoffe

  • Eine rohfaserarme, stärkereiche Fütterung ist genauso falsch wie zu viel Stroh oder zu langfaseriges Futter.
  • Sehr gefährlich ist auch blähendes Futter wie sehr junges Grünfutter, viele Leguminosen wie Klee oder Luzerne in der Ration, Kohl oder zu viel Äpfel und Brot.
  • Auch zu viel Kleie oder Nachmehle sind gefährlich, weil sie Darmsteine verursachen.
  • Zu kurz geschnittenes Stroh, zur kurz gehäckseltes Gras wie Rasenmäherschnitt oder nicht richtig eingeweichte Rübenschnitzel können auch eine Kolik auslösen.

Organisatorische Fehler

  • Die nächsten Fehler bestehen darin, zu große, aber zu seltene Mahlzeiten zu füttern oder unregelmäßig zu füttern.
  • Auch sehr plötzliche Futterwechsel sind nicht empfehlenswert. Besser ist Abwarten, Beobachten und langsame Veränderungen vorzunehmen.
  • Vielen Pferdehaltern ist auch nicht bewusst wie viel Pferde trinken müssen. Zu wenig Wasser oder zu kaltes Wasser sollte daher vermieden werden.

Futterqualität

Gefährliche Fehler machen Pferdehalter, indem sie nicht auf einwandfreie Futterqualität achten.

  • Schimmel im Heu oder Getreide, nicht ausreichend abgelagertes Heu oder Getreide sind ein Nogo.
  • Auch angefaultes Saftfutter, stark verschmutzes Saftfutter sollten nicht gefüttert werden.
  • Stroh mit einem hohen Windhalmanteil oder Gras, das lange auf einem Haufen lag und sich erwärmt hat, sind oft die Auslöser gefährlicher Koliken bei Pferden.

Ausnahmefälle – dennoch reagieren!

Nicht jedes Pferd reagiert bei den gleichen Fütterungsfehlern sofort mit einer Kolik oder den Folgekrankheiten wie Heustauballergie, Sommerekzem, Hufrehe, Darmsteinen, Verstopfung oder Magengeschwüren.

Manche Pferde vertragen solche Fütterungsfehler länger als andere, sind aber dennoch genauso gefährdet. Lassen Sie sich nicht täuschen, falls einige Pferde verschimmeltes Futter eine Weile vertragen und nur manche mit immer wiederkehrenden Koliken, Hufrehe und mehr an Krankheiten reagieren. Früher oder später wird es auch Ihr Pferd erwischen, das bei jeder Kolik aufgrund der Möglichkeit der Darmverschlingung in Lebensgefahr geraten kann.

Folgen von Koliken

Je nach Ursache einer Kolik, muss damit gerechnet werden, dass das Pferd Folgeerkrankungen entwickelt. Magengeschwüre, Hufrehe, chronische Verstopfung, Darmsteinbildung oder allergische Reaktionen.

Wenn die Kolik jedoch sofort erkannt wird und entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden, kann die Kolik ohne Langzeitfolgen bleiben. Sollte sie jedoch nicht oder erst spät erkannt werden, kann das bleibende Schäden, bis hin zum Ableben des Pferdes zur Folge haben.

Behandlung einer Kolik

Zunächst einmal sollten Sie einen Tierarzt einschalten. Eine ernsthafte Krankheit sollte auf jeden Fall von einem Fachmann untersucht und behandelt werden.

  • Der erste Schritt besteht aus der Untersuchung des Pferdes. Mit Hilfe von Stethoskop, Nasenschlundsonde oder einer rektale Untersuchung wird die Schwere der Kolik festgestellt und welche Maßnahmen im Anschluss sinnvoll sind.
  • Bei den meisten Koliken hilft es, wenn der Tierarzt ein sogenanntes Spasmoanalgetikum gibt, das ist ein schmerzstillend und krampflösende Medikament.
  • Bei Anschoppungskoliken muss oft zusätzlich Paraffinöl gegeben werden, manchmal auch sehr vorsichtig Glaubersalz, was unbedingt ein Tierarzt machen und entscheiden sollte.
  • Bei einer Darmverschlingung hilft meistens nur noch eine Operation.

Fütterung nach einer akuten Kolik

Je nach Art und Auslöser einer Kolik sollten Sie in den kommenden Tagen folgende Fütterung vornehmen. Das Pferd nicht hungern lassen, was wegen der Darmbakterien ein großer Fehler wäre, aber unbedingt einwandfreies Heu und unbegrenzten Zugang zu Wasser geben.

  • Dann sollte der Tierarzt entscheiden, ob eventuell ergänzend Pflanzenöle sinnvoll sind, und zwar bis zu 50 g je 100 kg Körpergewicht.
  • Erst nach zwei bis drei Tagen kann vorsichtig zunächst mit kleinen Mengen begonnen werden, dem Pferd wieder sein gewohntes Kraftfutter zu geben.

Bei Darmsteinen

Wenn Ihr Pferd Darmsteine hat, die aus Ammonium-Magnesium-Phosphat bestehen, kann nur unter Aufsicht Ihres Tierarztes folgendes versucht werden, um die aufzulösen:

  • Eine einmalige kraftfutterreiche und heuarme Ration, die einen niedrigen Phosphat- und Magnesium-Gehalt haben sollte und mit 5 % Essigsäure versetzt worden ist.
  • Es besteht hier das Risiko, den ph-Wert im Blinddarm zu stark abzusenken. Versuchen Sie das deshalb nie ohne die Aufsicht Ihres Tierarztes selbst.

Kolik Prävention durch Futteranpassung

Pferdehalter können durch Anpassung des Futters ihren Teil dazu beitragen, um die Entstehung einer Kolik zu verhindern bzw. die Gefahr zu senken.

  • Wichtig für ein Pferd ist entweder eine einwandfreie Weide mit einem für Pferde geeignetem Gras-Kräuter-Gemisch und zwar nach sorgfältigem Anweiden oder aber einwandfreies Heu,
  • Ebenfalls notwendig sind ordnungsgemäß eingeweichte Rübenschnitzel, einwandfreies Kraft- und Saftfutter in einer für das Pferd angemessenen nicht zu großen Menge auf einmal.
  • Vorsicht ist auch beim Futterwechsel angesagt, immer genug Wasser, ausreichend Bewegung und eine Herde, in der es keinen Stress hat ist ebenfalls gut um eine Kolik zu vermeiden.
  • Das für das Pferd ausgewählte Kraftfutter sollte sich nach der Rasse, dem Alter und der normalerweise stattfindenden körperlichen Belastung des Pferdes richten.

Beispiel Futterplan

Eine Neigung zu Kolik gibt es im Prinzip bei Pferden nicht. Koliken entstehen fast immer durch große Fehler in der Fütterung und lassen sich vermeiden, wenn Sie die Bedürfnisse von Pferden beim Füttern beachten. Ältere und gestresste oder nicht mehr ganz gesunde Pferde oder solche, die in der Herde einen sehr niedrigen Rang einnehmen, vertragen Fütterungsfehler noch schlechter als sehr junge, gesunde und widerstandsfähige sowie ranghohe Tiere.

Für 100 kg Gewicht braucht ein solches Pferd als Schutz vor einer möglichen Kolik folgendes Futter:

  • Einen Salzleckstein zur freien Verfügung
  • ausreichend Wasser rund um die Uhr (ein Pferd braucht ca. 50 l am Tag, manchmal auch mehr
  • Im Sommer Weidegang auf einer guten Weide ohne darauf befindliche Giftpflanzen oder Giftpflanzen im Knick drumherum
  • Im Winter gutes Heu ohne Schadstoffe oder Giftpflanzen zur freien Verfügung, gern auch durch eine Winterweide ergänzt
  • ca. 250 g Möhren für die Haut
  • 1 – 2 kg Hafer auf mehrere Portionen am Tag verteilt
  • 300 – 500 g von einem guten Strukturmüsli auf mehrere Portionen am Tag verteilt. Das Strukturmüsli sollte nach Möglichkeit viele natürliche Vitalstoffe, kalt gepresste Öle oder Ölsamen, gesunde Kräuter und Bierhefe enthalten
  • ab und zu ein Leckerli oder ein Stück Obst und Gemüse darf zusätzlich als Belohnung gegeben werden

Achtung: Pferde vertragen das Futter auf unterschiedliche Art und Weise. Daher dient der Futterplan lediglich als Anregung und dieser sollte individuell auf die Bedürfnisse des Pferdes angepasst werden.

Unterschiedliche Kolik-Arten

Koliken haben immer etwas mit einer Erkrankung im Magen-Darm-Trakt zu tun. Dennoch gibt es unterschiedliche Kolik-Ausprägungen, mit unterschiedlichen Ursachen und Krankheitsbildern.

  • Als Schlundverstopfung bezeichnet man die Kolik, die bereits im Halsbereich auftritt. Weitere Orte, wo es zu einer Kolik kommen kann, sind der Magen, der Dünndarm, der Blinddarm und auch der Dickdarm mit dem dazu gehörenden Enddarm, dem sogenannten kleinen Kolon.
  • Die Stresskolik tritt, wie es der Name schon vermuten lässt, in stressigen Situationen auf. Dazu gehören lange Transporte, Überanstrengung oder stressige Ausflüge und Turniere.
  • Lebensgefährlich wird es immer dann, wenn sich dabei die Darmabschnitte verlagern und es zu Verschlingungen kommt. Das kann sowohl bei Sandkoliken als auch bei Aufgasungskoliken passieren. Oft hilft dann nur noch eine Kolik-Operation.

Zusammenfassung: Was Sie wissen müssen

Die Studien an tierärztlichen Hochschulen haben einwandfrei erwiesen, dass Pferde nicht von Natur aus anfällig für eine Kolik sind, obwohl jedes Jahr 10 % aller Pferde daran erkranken.

  • Dass das so oft passiert, liegt daran, dass sowohl in den Pensionsställen als auch von Seiten der Halter oft Fehler bei der Fütterung gemacht werden.
  • Manchmal sind es auch Spaziergänger, die unbemerkt an der Weide vorbei kommen, die durch Füttern über den Zaun mit falschem Futter wie beispielsweise großen Mengen an Obst oder Brot oder auch Rasenschnitt eine Kolik bei Ihrem Pferd verursachen können.
  • Erfahrungsgemäß hilft hier Aufklärung dieser Menschen, die es meistens gut meinen, mehr als reine Verbotsschilder. Erklären Sie auf dem Schild, warum es so gefährlich ist, fremde Pferde zu füttern. Erwähnen Sie auch, dass ein Spaziergänger oft nicht der einzige ist, der füttert und die Menge vieler Spaziergänger erst die Gefahr ausmacht.

Basics beachten und konsequent handeln!

Kolik bei Pferden

Quelle: Harvey Barrison/ Wikipedia

Sollte Ihr Pferd schon an einer Kolik erkrankt sein und Sie sind sich sicher, dass die Fütterungsfehler nicht an Ihnen liegen, achten Sie sehr genau darauf, was der Stall füttert.

  • Hat Ihr Pferd in einem Stall häufiger eine Kolik, suchen Sie sich einen besseren, wo das nicht passiert. Es ist Ihr Pferd, das sich dort in Gefahr befindet.
  • Achten Sie auf genug Bewegung und auch auf das Wasser, denn Pferde trinken sehr viel (Je nach Größe können das 30 bis 50 Liter Wasser sein).
  • Wenn Sie das alles beachten, braucht Ihr Pferd kein spezielles Zusatzfutter, sondern darf das Kraft- und Saftfutter bekommen, das für seinen Typ und die Art, wie Sie es nutzen, am besten geeignet ist.
  • Achten Sie aber dabei unbedingt darauf, dieses Futter in kleinen Mengen zu geben und ebenso darauf, dass das rohfaserreiche Futter immer in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

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